Anreise 14.4. 2024
14.4.2024
Trotz mehrstündiger Verspätung habe ich den Weiterflug nach Phoenix erreicht. Der Säntis Single Malt Whisky, der hingegen hat es nicht geschafft, der blieb in Chicago. Das Gesetz, in Form eines etwa vierzigjährigen Beamten, der seine Freizeit im Fitnessstudio zu verbringen scheint, wurde mir erklärt. Man muss die Alkoholika immer mit einer Zollfrei- Tasche, auch wenn diese gerissen ist, ans Zielort bringen. Der Kassenbon, wo der Einkauf namentlich aufgeführt ist, der sei nichtig. Eine Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass der Fall hoffnungslos und ich mich beherrschen sollte. Mit Blicken versuchte ich ihm mitzuteilen, was ich mir verbal untersagte.
Kein Whisky für Sallie, 85, die mich in Phoenix vom Flughafen abholen und bei sich beherbergen wollte. Ich habe Sallie vor zwei Jahren kennengelernt, sie ist auf der Arizona Trail homepage als Trailangel aufgeführt. Trailangel sind Freiwillige, die den Wanderern verschiedenste Dienste meist gratis- anbieten: Fahrdienste- Bett- Dusche- Waschmaschine, Fresspäckli aufbewahren usw.
Sallie hat schottische Vorfahren und ist traditionsbewusst. Sie pflegt jeden Tag mit einem oder zwei Whiskys on the rocks zu beschliessen. Damit kein falscher Eindruck ensteht: sie misst den Whisky genau ab, keine Abweichungen. Auch hat sie klare Vorstellungen, wie das Eis sein muss: quadratische Würfel.
Sallie ist freundlich und zuvorkommend, ohne viel zu lächeln. Sie ist klar und präzise in ihren Äusserungen und Anweisungen. Ich hätte ihr preussische Vorfahren zugeschrieben. Ich sollte am Flughafen den südlichen Ausgang nehmen, die Türe merken und ihr Bescheid sagen, sie sei in 25 Minuten da.
Ihre politische Meinung ist ebenso klar: sie sei Republikanerin, habe den letzten republikanischen Präsidenten nicht gewählt und werde bei der heurigen Wahl den offiziellen republikanischen Kanditaten nicht wählen. Nie im Leben. Sie wolle das Thema nicht weiter verfolgen, es rege sie nur auf.
Ich habe zwei Tage bei Sallie verbracht: sie war grosszügig in jeder Hinsicht: angefangen beim Hackbraten zur Ankunft, herumkutschieren am folgenden Tag ( Telefon, Lebensmittel, Gaskartusche kaufen) und mitdenken. Sie wird mich- wie zwei Jahre zuvor- nach Tortilla Flat fahren, etwa 40 km vom Roosevelt Lake, vom AZT entfernt. Die Strecke auf einer seit Jahren für den Verkehr gesperrten Strasse ist zum Einlaufen gedacht, ab Roosevelt Lake geht es gleich in die Berge. Sallie hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es die nächsten 160 km keine Einkaufsmöglichkeiten gäbe, ausser einer umständlichen: ein 50km vom AZT enfernt liegender Ort (Payson). Futter für die ganze Strecke mittragen ist wenig verlockend. Ich möchte es langsam angehen und rechne mit ca einer Woche. Mal sehen, wie es sich entwickelt, vielleicht ist der Appetit anfänglich nicht so gross, ich halte mich dem Einkaufen zurück. Diese Herangehensweise sorgt bei Sallie natürlich für Stirnrunzeln.
Deppen und/ oder Paragraphenreiter gibt es überall...gute Wanderung, Romana!
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