Premieren und Wiedersehen

16./17.4.
Der kleine Weiler Tortilla Flat hat sich nicht verändert. Alles ist auf Gäste getrimmt, welche den guten alten Wild West Stil mögen. Hingegen schaut die Umgebung anders aus: es ist grün und die Wüste blüht. 

Ich ziehe gleich los: ein Motorradtreffen ist angesagt und das will nicht zu meiner Stimmung passen. Ich folge dem Apache Trail (88) und oh Wunder: die Strasse, seit langem für den Verkehr teilweise gesperrt, wird wieder in Stand gestellt, Infrastrukturplan sei Dank. Mit schwerem Gerät werden die Felsbrocken und Unwetterschäden vergangener Jahre behoben. 

Ich übernachte am Apache Lake, schlafe erstmals in meinem neuen Zelt, ansonsten der übliche Ablauf: Zelt aufstellen, waschen, Holzkocherli hätscheln, Wasser filtern oder abkochen essen, die Umgebung auf mich wirken lassen, was mir an diesem Abend einen gehörigen Schreck eingejagen sollte. Das undefinierbare Etwas, das an einem stachligen Palo Verde Strauch hing, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als  halbabgenagter  vertrockneter Tierkadaver. Das arme Tier muss schrecklich verendet sein: auf einem Stachel in einer Astgabel aufgespiesst, unfähig, sich zu befreien.
1. Zeltnacht am Apache Lake

Ich erreiche Roosevelt Lake schon am nächsten Tag. Ein vielseitiger Rancher hat mich mitgenommen. Ein Jagdgewehr liegt neben dem Fahrersitz. Er gebe Schiessunterricht. Er und seine Familie würden sechs Ranches in sechs verschiedenen Staaten besitzen, bei deren Grösse mir schwindlig wird. Er hoffe, dass die Strasse nicht geteert werde, das würde ein unerwünschtes Publikum anziehen. Er sei daran, auf seiner hiesigen Ranch, die am Apache Trail liegt, ein 5 Sterne Camp zu errichten, deren Gäste sich wiederum nicht an vorbeibrausenden, aufgemöbelten Fahrzeugen erfreuen würden. 

In der Roosevelt Marina treffe ich auf die erste Wanderin ' Rainbow Dash".(Trailname, den man Weitwandern zuschreibt, um damit auszudrücken, dass man die alltägliche Identität für die Zeit der Wanderung abgestreift hat) Sie ist dabei, ihren neuen Rucksack zu füllen. Ich widme mich der Hikerbox (eine oder mehrere Kisten, wo Wanderer Dinge hinterlassen, die sie nicht mehr brauchen) Wie üblich herrscht eine Sauordnung: da findet sich ausgelaufenes Olivenöl, Zahnpasta, Sonnencremes, Kaffee, Tee, Trockennahrung aller Art, benutzte Schuhe und- ein elektrischer Rasierapparat.
Ich mache mich sofort ans Aufräumen. Soviel zum Abstreifen seiner alltäglichen Identität und Gewohnheiten.

Ich füge 2 Familienpackungen " Mashed Potatoes aus Idaho" hinzu. Bei allem Respekt für Idahos nahrhaften Kartoffelstock, 16 Portionen sind zuviel, das war ein Missgriff. Ich nehme mir Teebeutel, Feuchttücher, 1 Pack Ramennudeln und ein kleines Fläschchen Desinfektionsgel. Ganz praktisch nach gewissen Verrichtungen. Alle anderen Versuchungen widerstehe ich, mein Rucksack soll nicht mehr als 15kg wiegen, Essen für 1 Woche und Wasser bis zur nächsten Quelle inklusive.





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