Unterwegs zum Grand Canyon
Mit grosser Vorsicht und rekordverdächtiger Langsamkeit breche ich auf. Der Zubringer zum AZT zieht sich hin, die Stadtnähe ist durch die vielen Biker spürbar.
Die Langsamkeit hat auch etwas für sich; ich sehe einen Rotluchs! Es dauert, bis er mich wahrnimmt und verschwindet. In meiner Unsicherheit neige ich zum magischen Denken und betrachte diese Begegnung als gutes Omen.
Trotz aller offenen Fragen: es fühlt sich gut an, wieder draussen unterwegs zu sein. Sogar intensiver. Vielleicht, weil der Ausgang offen ist.
Das Wetter ist angenehm und trocken. In den Bergen, um die Francisco Peaks herum, bläst ein kalter Wind und lässt die Baumwipfel rauschen und die Baumstämme knarren. Altschnee liegt auf der Nordseite.
In tieferen Lagen verschwindet beides, Schnee und Pinien. Spärlich bewachsenes trockenes Flachland mit zähem Wacholdergewächs in allen Formen breitet sich aus.
Es begegnen mir nun täglich ein paar Wanderer in beide Richtungen. Man hält an für einen Schwatz, meist ist noch etwas Klatsch dabei. Ist Dir Diese oder Jener begegnet? Mit meiner Pause in Flagstaff habe ich den Anschluss an die bekannten Gesichter verloren. Ich weiss nur, dass Push die Schlechtwetterperiode im Zelt abgewartet hat. Von Cheez it- der mit der Chips Diät- weiss ich, dass er einen Tag vor mir unterwegs ist.
Und was " d' Bräschte" betrifft: es ist eine
emotionale Achterbahn: am Morgen plagen mich Zweifel ob meiner Entscheidung. Nach dem Anlaufen wundere ich mich über meine Zweifel. Der aktuelle Schluss: pausieren hat nichts gebracht, wandern verschlechtert den Zustand nicht. Gut bzw. besser, das ist allerdings ganz was anderes.
Peika, eine angegraute Wanderin meinte:" Weisst Du, in unserem Alter dauert es länger, bis die Dinge sich wieder einrenken. Es braucht viel Geduld. Bei mir hat es vier Jahre gedauert, bis der Fuss vollständig geheilt war". Als sie meinen ensetzten Gesichtsausdruck sah, fügte sie tröstend hinzu, dass sie damit keines Falls sagen wolle, dass es bei mir so lange dauern werde.