Buckskin Gulch, 31.5.
Ich gehe früh und schwer beladen los: mit 4 lt Wasser für die ca. 35 km, die vor mir liegen.

Zu meinem Erstaunen bin ich alleine auf weiter Flur. Im Gegensatz zum Vortag steht nur ein einsames Auto auf dem Wire Pass. Ich wäre froh um Gesellschaft gewesen, die Enge und Länge dieses Canyons schüchtern mich ein. Tatsächlich sind die gewaltigen Naturkräfte unterwegs sicht- und spürbar. Man fühlt sich klein und demütig. Da liegt Geschiebe von der letzten Flut herum, hoch über mir sind Baumstämme eingeklemmt. Als gestern Abend ein paar Wolken aufgezogen sind, habe ich mich zum x-ten Mal nach der Wetterprognose erkundigt. Kirsten hat mich beruhigt, sie hätte direkt bei der Rangerstation nachgefragt; kein Regen und folglich keine Sturzflut in Sicht, die den Canyon zu einer unausweichlichen, tödlichen Falle werden liesse.
Die Schluchtwände verstärken alles: die Krähen hören sich laut und hysterisch an. Plötzlich ein anderes Geräusch: ein Mann aus Minnesota taucht auf. Er könne gratis fliegen, sei gestern Abend nach Las Vegas geflogen, habe das Mietauto nach 3 Fahrstunden am Ziel seiner Wanderung parkiert, 2 Std. geschlafen und sich zum Wirepass fahren lassen. Er müsse sich beeilen, die 40 km Wanderung bis zum Parkplatz zu absolvieren, um den Abendflug zurück nach Minesota zu erwischen. Eine 24 Stunden Unternehmung. Er verdrückt hastig einen Energieriegel und weg ist er. Ein Mann, in einem Alter, wo eine midlifecrisis nicht auszuschliessen ist.