Buckskin Gulch, 31.5.

Buckskin Gulch

Auf dem Wire Pass ist Einiges los: es ist der Ausgangspunkt zur berühmten "Wave" und der " Buckskin Gulch", der längste Slot Canyon der Welt, beide bewilligungspflichtig. Ich konnte nur eine Tagesbewilligung für den Canyon ergattern. Gerne wäre ich bis zu Lee' s Ferry am Colorado gelaufen, das hat nicht geklappt. Kirsten, eine Zeltnachbarin, hat zwei Übernachtungen erhalten. Sie habe auf der Rangerstation Säckli für ihre Ausscheidungen abholen müssen, damit nichts Menschliches im Paria Canyon zurückbleibt. Das hat meine Enttäuschung gemildert.
Steinmühlen und Windeinwirkung

Ich gehe früh und schwer beladen los: mit 4 lt Wasser für die ca. 35 km, die vor mir liegen.
Zu meinem Erstaunen bin ich alleine auf weiter Flur. Im Gegensatz zum Vortag steht nur ein einsames Auto auf dem Wire Pass. Ich wäre froh um Gesellschaft gewesen, die Enge und Länge dieses Canyons schüchtern mich ein. Tatsächlich sind die gewaltigen Naturkräfte unterwegs sicht- und spürbar. Man fühlt sich klein und demütig. Da liegt Geschiebe von der letzten Flut herum, hoch über mir sind  Baumstämme eingeklemmt. Als gestern Abend ein paar Wolken aufgezogen sind, habe ich mich zum x-ten Mal nach der Wetterprognose erkundigt. Kirsten hat mich beruhigt, sie hätte direkt bei der Rangerstation nachgefragt; kein Regen und folglich keine Sturzflut in Sicht, die den Canyon zu einer unausweichlichen, tödlichen Falle werden liesse.

Die Schluchtwände verstärken alles: die Krähen hören sich laut und hysterisch an. Plötzlich ein anderes Geräusch: ein Mann aus Minnesota taucht auf. Er könne gratis fliegen, sei gestern Abend nach Las Vegas geflogen, habe das Mietauto nach 3 Fahrstunden am Ziel seiner Wanderung parkiert, 2 Std. geschlafen und sich zum Wirepass fahren lassen. Er müsse sich beeilen, die 40 km Wanderung bis zum Parkplatz zu absolvieren, um den Abendflug zurück nach Minesota zu erwischen. Eine 24 Stunden Unternehmung. Er verdrückt hastig einen Energieriegel und weg ist er. Ein Mann, in einem Alter, wo eine midlifecrisis nicht auszuschliessen ist.
Oberer Pariacanyon

Am frühen Nachmittag erreiche ich die Abzweigung Richtung Norden zur Whitehouse Campsite. Ein Richtungswechsel, der mit einem eindrücklichen Temperaturwechsel verbunden ist. Trocken und heiss. Schliesslich bin ich doch noch froh um die gewichtigen vier Liter Wasser.
Ein anstrengender und eindrücklicher Abschluss meiner Weitwanderung.

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